Night Cow-Race

Donnerstagabend 21 Uhr.

Ich stehe vorm Hotel und warte an der Strasse. Saleem kommt angebraust und hat seine Jungs im Schlepptau.
Wir haben’s ziemlich eilig, daher spring ich auf die noch rollende Rikscha auf und schon gehts in Windeseile weiter.
Die Brüder und Freunde von Saleem begrüssen mich herzlich, ich tu das auch, ich finde es gut.
Körperkontakt zwischen Jungs ist hier völlig normal, das fühlt sich irgendwie gut und nicht komisch an. Man umarmt sich oft, manchmal hält man auch des anderen Hand.
Beim ersten Mal findet man das eventuell seltsam aber ich kenn es ja bereits und hab damit kein Problem.
Die Jungs sind klasse, ich schätze ich bin mit den indischen Freaks unterwegs, so mag ich das.
Sie haben mir Bier mitgebracht und das muss ich auch relativ schnell mit vielen Aufforderungen trinken.
Sie selbst trinken keins, jetzt zumindest nicht.
Ich freu mich, mit lauter Mukke und Rikscha voller Jungs gehts raus aus Jaipur.

Wo wir hinwollen?

Spektakel des Tages, Cow-Race auf offener Strasse in der Nacht. Yeah!
Ich war ja bereits auf einem Horse/Cow-Race letztes Mal, jedoch am Tage. Das war schon zienlich crazy aber dieses wird’s noch toppen.
Wir kommen am Start an. Der Start ist einfach irgendwo auf einer Strasse, eine Unmenge von Leuten versammeln sich rund um die 3 startenden Stiere mit Ihren angehängten Wagen.
Saleem kennt sehr viele, daher fühle ich mich auch immer sehr safe in seiner Begleitung. Ich schätze ich bin der einzige Europäer weit und breit. Das war letztes Mal genauso. Nicht mal meine indischen Arbeitskollegen kennen solche Rennen ;P
Wir stehen herum, ich werde vielen Personen vorgestellt, wir rauchen einige Zigaretten und ich bin eine kleine Attraktion für viele.
Auf einmal wirds hektisch, alle schreien durcheinander, wir rennen zurück zur Rikscha und los geht das Rennen. Hier nehmen nämlich nicht nur die startenden Stiere teil, Nein, hier fahren alle mit. Yes, wie geil.
Die Strasse ist frei, zumindest im Moment, später ändert sich das auch. Die komplette Meute, bestehend aus hunderten Rikscha’s und Motorbike Fahrern, setzt sich in Bewegung. Das ganze wird lautstark begleitet von unermüdlichem Hupen, Schreien, Pfeifen. Die Jungs packen Ihre Stöcke aus – hehe :)
Damit wird auf die anderen Rikscha’s als auch auf die Strasse eingeschlagen, das ganz natürlich während der Fahrt. Einge ziehen Ihre Gürtel aus und hauen damit auf die zentimeter nahen anderen Fahrzeuge, jedoch nicht um jemanden zu verletzten sondern eben zu verstehen als völliger Freak-Out, ich finds sensationell.

Ein paar Crash’s gibts jedoch auch, 2 Motorbike’s mit je 2-3 Fahrern liegen am Boden aber die Fahrkünste der Leute hier sind unglaublich gut. Es wird niemand verletzt, die ganze Meute fährt einfach links und rechts vorbei (ähnlich wie beim Radrennen, wenn einer stürzt). Die Jungs stehen wieder auf und fahren weiter sehe ich als ich zurück schaue.
Saleem ist einer der besten Fahrer meine Meinung nach. Ziel ist auch direkt neben den Stieren zu fahren und sie lautstark anzufeuern, ich mach natürlich mit.
Ein paar unserer Jungs stehen hinten auf der Rikscha, Saleem’s Bruder halte ich mit einem Arm am Bein umschlungen damit er sich weiter raushängen kann. Für schwache Nerven ist das nix aber Ihr kennt mich ja, ich mags gerne extrem und wild. Ich fühl mich bei sowas sehr lebendig und frei, mein Herz schlägt und das fühlt sich gut und richtig an, ich steh auf Adrenalin.
Das ganze Chaos geht etwa 1,5 Stunden, dann steht der Sieger fest. Er bekommt anscheinend ein richtig hohes Preisgeld.

Wir sind alle sehr geflasht und trinken Chai am Strassenrand. Beim Heimfahren nick ich kurz ein, werd aber gleich von den Jungs geweckt.
Sie bringen mich zum Hotel und wir verabschieden uns herzlich. Ein toller Abend. Es ist 1 Uhr, ich geh pennen und bin sehr zufrieden, sowas habe ich gebraucht.

2013 – Jaipur mal wieder

Tja, da bin ich also nach fast 4 Jahren wieder in Jaipur.
Auch diesmal jobtechnisch zwecks eines Trainings für unsere Techies hier.
Diesmal in Begleitung eines Kollegen aus Berlin, sein erstes Mal, das sieht man Ihm auch an – hehe :)
Eigentlich kann er froh sein das ich dabei bin und Ihm alles mögliche erspare was ich mühsam erfahren musste, er scheint das jedoch noch nicht so recht zu würdigen bzw. zu verstehen.
Wie dem auch sei, den ersten freien Samstag verbringen wir in Begleitung der Firma in wohlbehüteter Atmosphäre, so wie ich es auch nicht anders erwartet habe.
Im Auto mit Klimaanlage gehts zum Albert Hall Museum, das älteste Museum von Rajasthan. Wir lernen viel, z.B. über Messer-/Schwert-Schmiedekunst, Figuren aus jeglichen Materialen, Malerei und auch über typische Instrumente aus dieser Gegend. Es ist interessant.

Danach geht’s auf zum Jaigarh Fort mit der grössten Kanone der Welt. Der Testschuss dieser Waffe vor etwa 200-300 Jahren über 22 Meilen hinterliess soviel Respekt das diese Befestigungsanlage niemals angegriffen wurde. Der Krater der eingeschlagenen Kugel dient noch heute als Wassertank der dort jetzt lebenden Bevölkerung. Die Anlage kenne ich jedoch bereits vom letzen Mal. Trotzdem ein ganz guter Tag, jedoch wie bereits erwähnt stehts mit Begleitung für die es nicht in Frage kommt auch mal abseits touristischer Pfade zu gehen.

Der nächste Tag, Sonntag.

Mein Freund Saleem, der Disko-Rikscha Fahrer holt mich und meinen Kollegen ab. Juhu. Endlich kein klimatisiertes Fahrzeug sondern Indien pur mit all seinen Gerüchen.
Wir fahren zum Monkey Palace. Dort lebt „name vergessen“, eine Art von Mogli, the ‚Monkey Master‘. Viele Affen sind hier zu finden und sie hören alle auf Mogli.
Wenn er ruft kommen sie vom Berg hinab und scharen sich um uns. Die kleinen Affen gehen schwimmem, abgefahren, hab noch nie einen tauchenden Affen gesehen. Sie fressen aus der Hand und sitzen auf meiner Schulter. Genial, der Oberaffe unter seines gleichen, denk ich mir und grinse in mich hinein. Ein anderer Ruf lässt sie wieder in die Berge verschwinden, sehr faszinierend.

Danach fahren wir etwas durch Jaipur und suchen uns ein gutes Plätzchen, dort trinken wir King Fisher Bier (Strong = 8%), nat schlecht.
Auch die Soundanlage will gut eingestellt werden, sie ist gerade erst eingebaut worden, damit verbringen wir unsere Zeit.
Langsam werden wir hungrig und Saleem läd uns zu sich nach Hause ein. Ich war ja schon letztes Mal bei Ihm aber mit solch einem Empfang habe ich nicht gerechnet, ich werde königlich empfangen und richtige Photos, die ich beim letzten Horse&Cow Race geschossen habe und Saleem digital auf CD gegeben habe, werden mir stolz und ehrfurchtsvoll als Geschenk gereicht. Ich hatte ja keine Ahnung was ich hier beim letzten Mal für einen Eindruck hinterlassen habe. Alle sind da, die Mutter, 3-4 Brüder mit Frauen und jeweils 3-4 Kindern, natürlich auch Saleems Frau und Kinder, eine Riessenmeute, beeindruckendes Family Leben. Die Kleinen schauen einen ununterbrochen an und kommen einem sehr nahe. Das geht ans Herz, es ist rührend.
Wir essen. Auf Decken auf der Erde sitzend werden Chapati, Dal und verschiedene andere Sossen mit Paneer aber auch mit Fleisch serviert. Ich halte mich strikt an die vegetarische Variante, mein Kollege nicht :D
Ich muss natürlich Beatbox machen, dafür bin ich anscheinend bekannt, hatte ich ganz vergessen, vor 4 Jahren war ich noch wesentlich geübter. Ich tu mein Bestes, es scheint auszureichen, alle sind glücklich. Dann kommt die Oma, ich begeh eine Fehler. Ich grüsse mit „ram ram sa“, eine religiöse ehrfurchtsvolle Begrüssung, jedoch für Hindus. Hier sind alle Moslems. Au weia. Es ist mir etwas peinlich, ich entschuldige mich tausendmal und schiesse ein „salem aleikum“ hinterher. Das passt wesentlich besser.
Es wird spät, wir brechen auf zurück ins Hotel, ein toller Tag mit sehr viel India, gefällt mir gut.
Der nächste Morgen, auf ins Büro, aber nur ich, mein Kollege hockt aufm Klo ;) Ich hatte ihn gewarnt – *grins*, er wirds überleben.
Soviel erstmal :)

Erstaunliches, Lustiges & Nerviges

Also, um es kurz zu machen, ich hatte dieses mal sehr wenig Zeit die Gegend zu erkunden und spannende Dinge zu erleben. Ich habe mehr oder weniger die ganze Zeit gearbeitet, einzig der Sonntag blieb mir als eigener Tag erhalten.

Es gibt hier einen Spruch bezüglich der Arbeit, er lautet:

24 hour – no toilet, no shower – Full power !

Das trifft es ganz gut ;)

Hier mal ganz komprimiert und medial aufbereitet was ich so als erwähnenswert empfinde.

1) Hochzeiten

Mir wurde gesagt das der Monat Dezember äußerst geeignet ist um jemandem das Ja Wort zu geben. Dies wurde auch bestätigt durch die Tatsache das ich auf meiner täglichen Heimfahrt vom Büro mindest 3-5 Hochzeitsumzüge gesehen habe. Nun gut, etwa 100 Meter von meinem Guesthouse entfernt befanden sich gleich 2 solcher für Hochzeitsfeste genutzter Locations. Das fing dann immer so um 20 Uhr Abends an und ging bis spät in die Nacht hinein.

Das ist der Eingang zu einer dieser Locations

Es startete immer mit diesem Hintergrund Geräusch das ich Abends ständig im Ohr hatte:

Man könnte meinen das ist hier ein Sport, es wird geheiratet was das Zeug hält.

2) Hundekämpfe in der Nacht

Meist spät Nachts wurde ich wach weil sich wahrscheinlich wieder irgendein Eindringling einer benachbarten Hunde Gang ins falsche Revier getraut hatte. Das hörte sich dann etwa so an. (Leider hab ich die richtig krassen Sounds nicht einfangen können. Ich war meist zu langsam :) )

3) Der Obst und Gemüseverkäufer

Hab ich eigentlich nur Sonntags mitbekommen da ich sonst tagsüber nicht im Guesthouse war aber wenn ich da war, war es unüberhörbar. Ein sehr sehr eindringliches Geräusch, ich schätze mal es heißt sowas wie „Hey Leude, ich bins, kommt alle her und kauft mir was ab“ oder so ähnlich.

4) Ein Roller mit Stützrädern

Hab ich so auch noch nie gesehen.

Roller

5) Ein indischer Mülleimer – No comment

5) Die Wasser Situation im Guesthouse

Leider gab es einen Defekt bei der Wasserversorgung im Guesthouse. Das heißt, der Tank der üblicherweise 1-2 Mal pro Tag mit Wasser gefüllt wird und der die Basis der Wassergrundversorgung darstellt funktionierte nicht. Das bedeutete im Umkehrschluss das es kein Wasser gab und das für alle Situationen bei der es Wasser bedarf :D .

Ich wurde dann über folgenden Ausweg mit Wasser versorgt :

Wasser

Das musste herhalten für alles, Duschen, Toilette etc. Nette Erfahrung, war nicht weiter Schlimm.

6) Die Pissoir Situation im Büro

Meine Herren, es gab echt Tage da hätte ich diese Schei** Teil am liebsten zerstört. Ich bin nun wahrlich niemand der besonders große Ansprüche bezüglich der Toilette stellt aber dieses Ding ist einfach unglaublich. Um es kurz zu erklären, es hat einen Sensor (so wie bei uns auch üblich), der einzige Unterschied besteht darin das der Wasserlauf immer etwa 5 Sekunden nachdem man sich davor gestellt hat startet. Nun gut, scheint ja nicht weiter ein Problem zu sein. Leider sind die seitlichen Düsen mit einem mächtigen Druck versehen, daher wird man von dem Ding direkt angespritzt was nicht wirklich appetitlich ist. Ich hab mir echt überlegt ob ich mal einen Beschwerdebrief an den Konstrukteur schreibe :D

Ja, das war so die Kurzversion des Trips. Morgen ist mein letzter Tag und dann brauch ich erst mal ein paar Tage Auszeit.

Notiz

So, jetzt bin ich wieder hier, in Jaipur. Und alles was mir einfällt ist zu erwähnen das ich jeden Tag eine halbe Bananenstaude vor meiner Tür wieder finde. Fragt sich nur wer das alles essen soll. Ich wohl, aber 1-3 reichen eigentlich. Nun gut, soviel erstmal an dieser Stelle, an anderer mehr.

Ein paar Eindrücke …


Strand und so …

Huckleberry Finn und seine Strandtour, was man da so alles findet.

Halli Hallo






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